Montag, 28. Juli 2008

Schlechte Zeiten für US-Festnetz-Anbieter



AT&T kämpft mit veränderten Marktbedingungen

In Deutschland verfügen noch 83 Prozent der Haushalte über Festnetz (Foto: pixelio.de, jutta rotter)
Das größte US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen AT&T http://www.att.com hat zunehmend mit den veränderten Bedingungen am Kommunikationsmarkt zu kämpfen. Wie die New York Times unter Berufung auf Brancheninsider berichtet, machen dem US-Anbieter derzeit vor allem die rückläufigen Zahlen bei Festnetzanschlüssen zu schaffen. Diese seien weit schneller zurückgegangen als erwartet. Ausschlaggebend hierfür sei nicht zuletzt ein verändertes Kommunikationsverhalten, das zunehmend mehr Menschen zum Kauf eines Handys bewege und dem Festnetz nur mehr wenig Bedeutung zuschreibe. Gleichzeitig lasse aber auch das Wachstum am Mobilfunkmarkt in den USA, der mittlerweile zu 85 Prozent gesättigt sei, nach. In Anbetracht dieser beiden Entwicklungen werde der wirtschaftliche Spielraum für AT&T immer enger, befürchten Analysten. Das Unternehmen, das seine Zahlen zum zweiten Quartal heute, Mittwoch, vorlegen will, müsse sich daher stärker Gedanken über neue Möglichkeiten machen, um die eigenen Umsätze anzukurbeln.

"Die Stimmung am US-Telekommunikationssektor hat sich innerhalb kürzester Zeit von überaus optimistisch zu eher skeptisch und verhalten gewandelt", stellt Craig Moffett, Telekommunikations-Analyst bei Sanford C. Bernstein & Company https://www.bernstein.com fest. Unternehmen wie AT&T, das immer noch 32 Prozent des Gesamtumsatzes im Festnetzbereich erwirtschaftet, müssten sich auf die veränderten Marktbedingungen rasch einstellen, um ihre finanzielle Zukunft abzusichern. "Ich glaube, dass AT&T so schnell wie möglich in die Pedale tritt, um sich von einer Kabelfirma zu einer kabellosen Firma zu wandeln", meint Moffett. Die Frage sei nur, ob das schnell genug sei.

"Das Handy ersetzt auch in Europa zunehmend den Festnetzanschluss", bestätigt Christian Hallerberg, BITKOM-Sprecher im Bereich Public Sector und Neue Märkte, im Gespräch mit pressetext. Laut einer aktuellen BITKOM-Erhebung verfügten im Jahr 2007 rund 24 Prozent der EU-Haushalte ausschließlich über einen Mobilfunkanschluss. In Deutschland nutzen dagegen nur elf Prozent der Haushalte ausschließlich ein Handy zum Telefonieren. "Wir erleben zwar eine Marktverschiebung hin zur mobilen Kommunikation, das Festnetz ist aber noch keinesfalls abzuschreiben", meint Hallerberg. Neuesten Zahlen der Eurostat zufolge verfügten in Deutschland im vergangenen Jahr rund 83 Prozent der Haushalte über ein Festnetztelefon. Das entspricht einem Rückgang von drei Prozentpunkten gegenüber dem Stand von 2005.

"Der Mobilfunkmarkt in den USA hinkt in punkto Marktsättigung im Vergleich zu Europa noch etwas nach", ergänzt Manfred Breul, BITKOM-Telekommunikationsexperte, gegenüber pressetext. In Deutschland liege die Penetrationsrate am Mobilfunkmarkt beispielsweise mittlerweile bereits deutlich über 100 Prozent. "Vor allem in Osteuropa gibt es in diesem Bereich aber noch einiges an Wachstumspotenzial", stellt Breul fest. Niedrige Wachstumsraten würden aber nicht zwingend niedrige Umsätze bedeuten. "Die Umsätze in der Telekommunikationsbranche bewegen sich derzeit absolut gesehen auf sehr hohem Niveau. Vor allem die Datendienste haben deutlich zugelegt und machen inzwischen bereits 14 Prozent der erwirtschafteten Gesamtumsätze aus", so Breul abschließend.