Mittwoch, 20. August 2008

Telekom Austria: " Auch Breitbandmarkt mobilfunkgeschädigt"

Preisdumping und EU-Roaming-Regelung drücken auf Ergebnis

Wien - Die Telekom Austria http://www.telekom.at/ hat ein bisher durchwachsenes Jahr 2008 erlebt. Zwar darf sich der Konzern im ersten Halbjahr über einen Anstieg der Umsatzerlöse um 7,7 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro freuen, das EBITDA wird jedoch von geringeren Einnahmen bei Mobilfunkgesprächen im Ausland beeinträchtigt. "Alle unsere Gesellschaften leiden unter der EU-Roaming-Regelung, auch wenn unsere Kunden ihre Handys im Ausland etwas mehr benutzen als früher", meint Boris Nemsic, Generaldirektor der Telekom Austria. So betragen die Abstriche im EBITDA in den ersten sechs Monaten aufgrund der Roaming-Regelung rund 25 Mio. Euro. Darüber hinaus verzeichnet das Unternehmen weitere Rückgänge im Kerngeschäft Festnetz und niedrigere Beiträge aus der Internet-Sparte.

Für das schwächere Internet-Ergebnis seien preisliche Anpassungen an das Mobilfunkgeschäft ausschlaggebend, ein Volumenrückgang habe jedoch nicht stattgefunden. Die Anzahl der Breitbandanschlüsse konnte sogar um 75.800 Nettozugänge erhöht werden. "Auch der Breitbandmarkt ist bereits mobilfunkgeschädigt, hier wird Preisdumping durchgeführt", so Rudolf Fischer. Dem noch bis Ende August amtierenden Festnetz-Chef zufolge konnte der Rückgang der Festnetz-Anschlüsse verlangsamt werden. Dennoch wurden in den ersten beiden Quartalen 32.000 bzw. 35.000 Anschlüsse abgemeldet. Das Festnetz biete allerdings die Infrastruktur für jegliche Art der Kommunikation, so auch der Mobilkommunikation. Daher sei es künftig nicht nur weiterhin zum Kerngeschäft zu zählen, sondern "Festnetz ist das Kerngeschäft", betont Nemsic.

An den internationalen Wachstumsmärkten konnte die Telekom Austria Marktanteile hinzugewinnen. Der Sektor Mobilkommunikation zählt nun insgesamt 16,5 Mio. Kunden. Im ersten Halbjahr zeigt der Konzern "eine sehr starke Performance gegenüber allen internationalen Mobilfunkgesellschaften", unterstreicht Nemsic. Die Neuinvestitionen und der Aufbau in Serbien und Mazedonien belasten jedoch das Ergebnis. Aufgrund von Abschreibungen, die auf den Markteintritt in den beiden Ländern zurückzuführen sind, sinkt der Nettoüberschuss gegenüber dem Vorjahr um 18,6 Prozent auf 226 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis verhält sich mit minus 4,9 Prozent auf 389,9 Mio. Euro ebenfalls rückläufig. Die Nettoverschuldung der Telekom Austria bleibt mit minus 0,1 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro annähernd gleich. Allerdings "konnte im Juli 2008 erstmals ein Schuldscheindarlehen sehr erfolgreich platziert und damit die Frist der Finanzverbindlichkeit verlängert werden", so Telekom-Finanzvorstand Hans Tschuden.

Die Verluste in Serbien beziffert der Konzern auf 15 Mio. Euro. Angesichts der ansonsten positiven Entwicklung auf den internationalen Märkten bestätigt die Telekom Austria ihre Prognose für das zweite Halbjahr, während diese von Analysten teilweise angezweifelt wird. Zwar werde sich die Migration vom Festnetz zur Mobilkommunikation weiterhin fortsetzen und die Herausforderungen am hart umkämpften internationalen Markt seien groß. "Eine Verbesserung der Ergebnisse im internationalen Geschäft ist jedoch hauptsächlich in Serbien, Mazedonien und Weißrussland zu erwarten", prognostiziert Nemsic. Im Gesamtjahr soll der Umsatz um fünf Prozent wachsen.
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